Mein Weg in die Selbständigkeit

Abitur, Ausbildung, Teamleitung, Führungskraft.

Controller, Leiter des Retail-Bereichs eines Textilunternehmens mit ca. 50 Läden in DACH und Benelux, Verantwortlicher für Prozesse und Profitmaximierung. Stellen, die rückblickend mir das Handwerkszeug für meine spätere Beratungstätigkeit liefern sollten, mich am Ende aber auch ziemlich leer und ohne Perspektive zurückließen.

Und dann?

Diese Frage stellte ich mir 2017 auch. Knappe 800 km Fernwanderung durch die Rocky Mountains später wusste ich, dass ich zukünftig mit Privatpersonen statt Private Equity arbeiten will.

Echte Menschen auf ihrem Weg zur Realisierung ihrer Träume der Unabhängigkeit und Selbständigkeit unterstützen.

Selbständigkeit heißt für mich Verantwortung zu übernehmen – für mich und meinen Erfolg, aber auch für die Menschen, mit denen ich als Kunden zusammenarbeiten will und für das Arbeitsumfeld, in dem ich mich bewegen möchte. Deshalb ist es mir wichtig, dass die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, meine Sicht auf unsere Welt teilen.

Gerade wenn ich mich frage, wie wir als Menschheit die Herausforderungen unserer Zeit bewältigen wollen, komme ich immer wieder darauf zurück, dass wir uns natürlich zurücklehnen können, ein bisschen Strom einsparen, ein bisschen weniger Fleisch essen und ansonsten uns darauf verlassen können, dass den paar wenigen Staatsoberhäuptern und Milliardären dieses Planeten unser Allgemeinwohl wichtiger ist, als dass ihre Tweets die meisten Menschen erreichen oder dass ihr Reichtum noch unbegreiflicher wird, als er es sowieso schon ist.

Oder eben nicht.

Nie hatten wir Gründer und Soloselbstständige – katalysiert durch Corona, die Vernetzung der Welt und die daraus gewonnene Flexibilität – mehr Möglichkeiten, wo auch immer wir leben wollen, im Lebens- und Arbeitsmodell unserer Wahl, das zu tun, was durch die Weitergabe unserer Erfahrungen und Qualitäten dem jeweils Nächsten ein Stück weiterhilft. Wenn wir das auch noch tun, eingebettet in ein Netz der Verantwortung gegenüber dem Ort, an dem wir leben und unseren direkten Mitmenschen, kann echter Wandel entstehen.

Deshalb glaube ich nicht, dass nicht auch einfache Angestellte oder Führungskräfte in großen Unternehmen und Konzernen elementar wichtig für einen Wandel sind. Wenn wir wirklich etwas bewegen wollen, dann müssen wir es sowieso alle zusammen tun. Aber als Angestellter wirst du nie den Einfluss und die Freiheit haben, Dinge so zu tun, wie sie sein sollten, sondern wirst immer den Aktionären, dem nächsten Private Equity Inhaber oder einfach nur deinem cholerischen, selbstsüchtigen Chef verpflichtet sein.

Wir brauchen dich.

Wir brauchen dich als Gründer*in, die/der den Mut hat, gerade in einer Zeit, die aufgrund von Arbeitskräftemangel und den damit verbundenen rosigen Zeiten für Arbeitnehmer*innen, trotzdem den Sprung ins kalte Wasser wagen will, um unter der Eisscholle durchzuschwimmen und auf der anderen Seite als waschechte Unternehmer*in aufzutauchen.

Einen neuen Knoten bilden im Netz aus verbundenen Inhaber*innen, die erkannt haben, dass echter Mehrwert entsteht, wenn nicht einer den anderen über den Tisch zieht, sondern stattdessen wir uns bestmöglich gegenseitig unterstützen, vernetzen und bereichern.

Wir brauchen dich als Selbständigen, der New Work nicht nur einfach auf seine Website schreibt, weil es gerade in ist, sondern lieber als echten Menschen, der daran verzweifelt, wie er seine wirklichen Intentionen in Schriftform bekommt und sich auch traut, diese Schwierigkeiten zuzugeben.

Wir brauchen dich als Selbständige, die sich nicht nur eine Selbständigkeit ausdenkt und anmeldet, um auf diese Weise das maximale Elterngeld beziehen zu können, sondern die einfach Lust hat, neben dem Kinder großziehen, mit Augenringen vom Schlafmangel (dank unseren kleinen Zwillingen, die aktuell hier im Garten Kiesel kauen für sich entdeckt haben, kann ich etwas mitreden) abends trotzdem noch an ihrer Dienstleistung zu feilen und Mails mit Kunden auszutauschen.

Wir brauchen dich als empathischen und träumenden Mensch.

Einer meiner persönlichen Träume und Lebensziele ist, lieber heute, als morgen auf dem Acker meiner Familie in Ortsrandlage eines kleinen fränkischen Dorfes ein Häuschen bauen und einen Obsthain pflanzen. Während die Tage kürzer werden, in die Äste greifen und einen Apfel ernten und mich daran erinnern, wie ich als Kind auf dem Anhänger unseres Traktors saß, den mein Opa fuhr, der Wagen zugestellt mit Weidenkörben voller geernteter Äpfel. Die tief stehenden Sonnenstrahlen des bald endenden Tages brachen durch den aufkommenden Bodennebel und ich dachte mir nur –

„Welt bist du schön.“

Wir brauchen dich als Unternehmer*in, damit diese auch so bleiben kann.